Donnerstag, 12. Dezember 2013

Chill out & Vorfreude

Hallo ihr immer noch treuen Leser! Haben uns mit unserem Blogeintrag leider diesmal schon wieder ganz schön verspätet, jedoch auch aus gutem Grund. Die Ernte wurde am Sonntag, den 1. Dezember abgeschlossen und seitdem hatten wir alle Hände voll zu tun, nichts zu tun. Hier ein Blogeintrag von der Zeit nach dem Stress und von unseren Plänen für das restliche Jahr in Down Under. Viel Spaß!

Um die Chronologie nicht zu unterbrechen, hier die letzten Geschehnisse seit dem letzten Blogeintrag: Nach ersten Versuchen, Lupinen mit der gewöhnlichen Haspel des Mähdreschers zu ernten, haben wir gemerkt, dass wir mehr Körner verlieren, als wir eigentlich ernten. Die Pflanzen waren heuer durch den geringen Niederschlag im Winter nur halb so hoch wie in anderen Jahren, und vor allem schon sehr reif. Dies erforderte neue Methoden, so installierten wir eine in Europa eher unbekannte Methode, das Schneidwerk zu füttern, nämlich eine "Lufthaspel" (air reel). Klingt komisch, ist aber so. Funktioniert aber eigentlich genauso, wie man sich das vorstellt: Per Hydraulikzylinder wird ein Schaufelrad in Bewegung gesetzt, das Luft Richtung Schneidwerk bläst - Folge: die Pflanzen werden hineingeblasen.
Wir konnten mit dieser Technik weit bessere Resultate erzielen wie noch zuvor und freuten uns sehr darüber. Wie man auf den Fotos erkennen kann, kann man vor lauter Staub fast nichts mehr erkennen. Tatsächlich haben wir noch nie so viel Staub aus einem Mähdrescher kommen sehen, was uns auch unser Chef bestätigen konnte. Darum waren wir auch glücklich, als wir die letzten Hektar dieser Frucht fertig geerntet hatten.
Zum Schluss kam noch einmal Weizen ins Spiel, davor musste natürlich der gesamte Mähdrescher noch einmal komplett gereinigt werden (Juhu geil), die Regularien sagen nämlich vor, dass man sich bei 2 gefundenen Lupinenkörnern in 65 Tonnen Weizen die gesamte Fuhre gleich selber behalten darf.

Die letzte Woche unserer Erntesaison war besonders anstrengend für uns. Dies könnte verschiedene Gründe gehabt haben: Entweder 16-Stunden Arbeitstage und dies schon wochenlang oder einfach nur die Gewissheit, dass man es bald geschafft hat. In dieser letzten Erntewoche ernteten wir auch das größte Feld auf der "homefarm", welches 290 Hektar groß ist. Das kann dann schon mal ein wenig langweilig werden, und auch anstrengend, weil man durch den eher schlechten Ertrag immer einen genervten Chef im Nacken hängen hat. Auch waren einige Faux-pas mit von der Partie: Verbogenes Schneidwerk, kaputtes Messer, abgebrochene Zinken und Finger am Schneidwerk usw., durch große Steine, die man vor allem nachts rammt, wenn man wenig sieht. Kann ja passieren bei über 4000 gedroschenen Hektar. Nichts desto trotz haben wir es bis zum Schluss geschafft, die letzten zwei Felder wurden auf der Ballamore Farm im Norden geerntet, wobei diese den schlechtesten heurigen Ertrag mit 350 kg pro Hektar aufwiesen. Jaja, ein nicht wirklich lukratives Jahr für die Farmer hier im Norden, jedoch hofft man bereits jetzt schon wieder auf bessere Erträge im nächsten Jahr. Einige Farmen sind noch viel schlechter davon gekommen und können sich ein derartiges wirtschaften nicht mehr leisten - nur säen und ernten geht eben auf Dauer nicht gut. Immer wieder hört man von Auflösungen und/oder Verpachtungen.

Wer sich übrigens wundert, was der Müllhaufen neben dem Feld verloren hat, das ist unser innovatives Mülltrennungs- und Verwertungssystem. Ganz dem laidback-style des australischen Farmers entsprechend, wird sämtlicher Müll kurzerhand in eine Grube geleert und gelegentlich angezündet. Einerseits entspricht es ganz dem Sorglos-Prinzip der Australier, andererseits wäre es bei hiesigen Entfernungen ohnehin lächerlich, eine Müllabfuhr einzuführen. Und nachdem auch die Verbrennung nicht mehr CO2 ausstößt, als unser Mähdrescher nach einem Tag Vollbetrieb (600-700L Diesel), kann man eigentlich getrost darüber hinwegsehen. Diskussion eröffnet! ;-)

Wir für unseren Teil sind froh, jetzt endlich wieder ausspannen zu können. Unsere Gasteltern sind seit letzten Donnerstag nach Melbourne gereist, um ihrer Tochter bei einem Sportwettbewerb zuzusehen. Somit haben wir das Sagen auf der Farm und kümmern uns um die paar Kühe und den Haushalt, sowie die Reinigung des mehr als verstaubten Mähdreschers. Das könnte noch 2 oder 3 Tage beanspruchen. Die Tage werden nach ein paar "kühleren" Wochen jetzt wieder heißer, darum arbeiten wir nur morgens und abends, wenn überhaupt. Die Gefahr von "thunderstorms", also Gewitter, ist relativ hoch und immer gegeben. Es besteht das Risiko, dass durch einen Blitzschlag ein Buschbrand entfacht wird. Darum liegt im Falle des Falles auch immer unsere Feuerwehruniform bereit. Ansonsten prägen im Wesentlichen Pool und Bier unseren Tagesablauf, was uns unserer Meinung auch vergönnt sei. :-)

Genug dem Gerede, hier die Bilder:


Der Mähdrescher wird modifiziert

Das "air reel" ist fertig installiert

Die Fliegen, unsere treuen Begleiter

Action!

Staub, Staub, Staub

Die letzten Lupinen

Endlich wieder im Weizen!

Auch hier funktioniert das neue Gerät

Flo, wo bleibst du?

Voller Tank

Flo wird schon warm im Traktor

Nebel am Morgen bereitet Kummer und Sorgen

5 Uhr 30, unbarmherzig breitet sich die Sonne aus

Auf Hektarjagd

Flo hat Bernie immer im Blick

Das ist diese Saison zwei mal passiert. Aua!

Bernie spielt gerne Verstecken

Flo ist top motiviert! :-)

Bernie auch! :-)

"rubbish tip" oder Müllhalde

Vergleich der Höhe von Weizen und Flo's Arbeitsschuh (Gr. 45)

Knapp aber doch, dieser Weizen ist "erntbar"

Wartung muss sein, jeden Tag

Fenster putzen, jaja auch Männer können das!


Flo beim Schmieren seines "chaser bin"



Alles zusammenpacken und...

...ab nach Ballamore, die letzten Hektar ernten!

Die Tage werden lang(weilig)

Kein Vorzeigeweizen, unser letztes Feld

Endlich ausspannen!!

Auch Echsen mögen Hundefutter

Fleisch!

Bernie & Max

Dieser Luftfilter ist definitiv voll!

Am Reinigen

Bernie nimmt sich um den "besten Job" an


Resultat des Tages

Thunderstorm im Anflug, am Horizont ist aufgewirbelter Sand erkennbar

Gute Laune und Bier, was will man mehr?

Am Montag gehts nach Perth, wovon aus der Flo dann mit unserem Auto und einer guten Freundin von uns Richtung Osten aufbricht. Ich selbst bleibe in Perth und warte auf meinen Bruder Stefan und dessen Freundin Verena. Mit ihnen wird Weihnachten auf der Farm gefeiert und Silvester (wie soll es auch anders sein) in Sydney! :-) Danach wird von Flo und mir die Ostküste ordentlich unsicher gemacht, mit allem was dazu gehört. Wir lassen bestimmt nichts aus. Also seid gespannt, denn bald werden hier keine Felder und Traktoren, sondern Küsten, Strände und belebte Städte des Ostens die Blogeinträge prägen. Die Reisezeit beginnt!


Hold the line,

Bernie and Flo